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Excellentia
Carestini - The Story of a Castrato; Arien von Porpora, Capelli, Händel, Leo, Hasse, Gluck, Graun; Philippe Jaroussky, Le Concert d'Astree, Emmanuelle Haîm; 1 CD Virgin Classics 5099951054427; 2007 (72'06)
Wer hätte das für möglich gehalten? Schon bei seiner Vivaldi CD war es klar geworden, dass Philippe Jaroussky zum weltweit besten Kontertenor avanciert war. Bei diesem neuen Programm, wo er auf den Spuren des Kasiraten Carestini wandelt, der in gleichem Atemzug mit Farinelli genannt werden muss, zeigt Jaroussky noch mehr. Seine Stimme ist wieder gewachsen, wieder souveräner geworden, technisch noch perfekter und die Töne, die sie produziert, sind von vollendet apollinischer Schönheit. Doch da ist noch mehr: Jaroussky bringt mehr denn je Emotionen mit ins Spiel. Tiefe Gefühle! Und wenn er mit süßem Schmerz von unerhörter Liebe singt, dann ist in seiner Stimme eine traurige Lieblichkeit, die hervorzubringen nur ein hoch sensibler Künstler fertig bringt. Gewiss faszinieren uns die Virtuosität und der Elan, mit dem er als Erminio in Porporas Sidace oder als Ruggiero in Händels Alcina singt. Aber es in Ariodantes 'Scherza, infida' oder in Grauns Orfeo, wo er uns am meisten bewegt. Das ist so berückend schön, dass man völlig verzückt vor den Lautsprechern sitzt und die ganze Welt vergisst. Jaroussky singt mit zutiefst menschlichen Regungen, weil er sich die Figuren, die er interpretiert, völlig zu eigen macht und sie gewissermaßen idealisiert und transzendiert, ihre Gefühle destilliert und in makellosester Reinheit zum Ausdruck bringt.
ReF
Pizzicato Janvier 08
Supersonic
J. Chr. Bach: Concerti; Ouverture 'Il tutore e la pupilla' Warb G 24, Sinfonia concertante in D Warb C 35, Sinfonia in G op. 6/1 Warb C 7, Concerto per il Flauto traverso in D Warb C 79, Sinfonia in F op 8 Nr 4 Warb C 14; Freiburger Barockorchester, K. Kaiser, Flauto traverso, A.K. Schreiber, violon, Gottfried von der Goltz, violon et direction; 1 CD Carus 83.307; 06/07 (60'59)
Lorsque l'on naît le dernier fils d'un cantor de Leipzig, on souffre non seulement de l'ombre écrasante de son père, mais également de celle, naissante de ses frères. Johann Christian Bach en fera l'expérience durant toute sa trop courte vie. Né en 1735, il aura 15 ans au moment du décès de son père et sera recueilli par son frère Carl Philipp
Emmanuel Bach. A 19 ans, il quitte l'Allemagne pour s'installer en Italie, se convertit au catholicisme et devient organiste à la cathédrale de Milan. Plus tard, il sollicite un congé sans solde pour se rendre à Londres... et ne rentrera plus à Milan. C'est là qu'il fera carrière en tant que musicien et organisateur de concerts en association avec Abel. Mais J.C. Bach ne sut pas maintenir sa position. On lui reproche souvent un manque de maturité qui l'aurait poussé à s'imprégner bien plus de bon vin que des règles de composition. Et pourtant, la réalité est toute autre. Gottfried von der Goltz, à la tête de son Freiburger Barockorchester, nous livre ici une oeuvre authentique, riche et variée. S'il est vrai que le contrepoint sévère du père est largement relégué aux oubliettes, il n'en est pas moins vrai que cette oeuvre respire admirablement l'air de son temps. C'est une musique de transition, certes, mais de grande valeur qui préfigure déjà, à bien des égards, les chefs-d'oeuvre des grands classiques.
PiRath
Pizzicato Janvier 08
Supersonic
A. Bruckner: Symphonie Nr. 3 (Urfassung 1873); Philharmoniker Hamburg, Simone Young; 1 SACD Oehms Classics OC624; Live 10/06 (68'38)
Großartige Steigerungen und klangliche Urgewalt: Mit der neuesten Produktion des von der Dirigentin simone Young mit den Hamburger Philharmonikern unternommenen Urfassungszyklus der Bruckner-symphonien ist - nach der exzellenten Zweiten Symphoniebereits ein zweites ganz außerordentliches Bauteil der Integrale auf dem Markt. Simone Young weiß durchaus, wo sie traurige Pracht zelebriert und wo Verinnerlichung angebracht ist. Eine sehr gute Mischung aus Kopf und Bauch bestimmt diese Interpretation, die durchaus auch an einigen Stellen, so z.B. in der humorvollen Polka im Finale, durch sehr persönliche Tempi überrascht. Ein besonderes Erlebnis ist das fulminant gespielte Scherzo mit seinem schwungvollen Tanz-Trio. Und wieder muss ich es sagen: Wie glücklich dürfen wir uns doch schätzen, nach den so oft gehörten Verstümmelungs-Ausgaben diese großartige Symphonie in ihrer fast 70 kostbare Minuten langen Urgestalt zu hören! Wenn simone Young ihren Zyklus auf diesem Niveau weiterführt, wird die Diskographie um eine Spitzenaufnahme reicher sein, mit dem Vorteil, die Symphonien im surround-Klang genießen zu können, der auch hier wieder brillant ist und das Orchester sehr räumlich wiedergibt.
RH
Pizzicato Janvier 08
Supersonic
A. Bruckner: Symphonie Nr.7; Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Karl Böhm; 1 CD Audite 9S.494; Live 4/77 (64'33)
Dies ist eine herausragende Deutung Anton Bruckners 7. Symphonie, denn Karl Böhm durchdringt das Werk mit einer ganz außergewöhnlichen geistigen Kraft. Im ersten Satz kommen Bruckners Seelenzustände besonders gut zum Ausdruck: Hier trotziges Auflehnen, dort machtloses In-sieh-zusammensinken. So emotional haben nicht viele Dirigenten diesen Satz interpretiert, so wenig Freude und Glanz hat es nicht oft gegeben. Pracht und Glanz vermeidet Böhm nämlich, das Blech ist nicht zur Verzückung des seelischen Aufschwungs da, sondern es äußert gellende Angstschreie und zerreißendes Zweifeln. So wird das Adagio vorbereitet, das im Schmerz erstarrt. Kein Wunder, dass dem Scherzo vorerst noch ein etwas schwerer Humor anhaftet, der sich nur langsam löst. Im finale bricht dann die Heiterkeit aus, von der man sonst glaubte, dass sie auch schon den ersten Satz prägen würde. Böhm nimmt die Anfangstaktz ungemein beschwingt und voller lebensbejahender Freude. Hier kann man endlich den Gloria-Charakter spüren, der das ganze Finale durchzieht.
RéF
Pizzicato Janvier 08
Supersonic
K. Szymanowski: Violinkonzerte Nr. 1 & 2, Nocturne & Tarentella; Ilya Kaler, Violine, Warsaw Philarmonic, Antoni Wit; 1 CD Naxos 8.557 981; (60'12)
Antoni Wit und Ilya Kaler liefern hier herausragende Aufnahmen der Violinkonzerte und dem von Fitelberg orchestrierten Notturno mit Tarantella des Polen Karol Szymanowski (1882-1937). Sie verdeutlichen gut es Szymanowski gelang, den Klang folkloristischer Musik mit den Formen westlicher Kunstmusik zu verschmelzen. Kaler spilet mit großartigem Lyrismus und intensiver Bogenkraft, während Antoni Wit die Klanglichkeit der Kompositionen direkt elektrisierend zum Ausdruck bringt, mit schwirenden Farben und einer inneren Vitalität, die der oft beschriebenen Lust am Klang des Komponisten hundertprozentig gerecht wird. Das Orchester spielt auf sehr hohem Niveau, und die Aufnahmetechnik ist tadellos. Eine Referenzeinspielung!
RH
Supersonic
F. Chopin: 24 Preludes op. 28, Prélude op. posth., Prelude op. 45, 2 Nocturnes op. 62; Rafal Blechacz; 1 CD Deutsche Grammophon 4776592; 7/07 (58'OS)
Das Wagnis ist gelungen! Der 22-jährige polnische Pianist Rafal Blechacz spielt auf seiner Debüt CD bei DG die gesamten Preludes von Chopin und begibt sich auf ein Terrain, auf dem die Konkurrenz enorm ist. Er braucht sie jedoch nicht zu fürchten. Sein Chopin ist so reif, so voller Ernsthaftigkeit, so hoch konzentriert, so schlicht auch in seiner wehmütigen, zärtlichen Poesie, dass er vollkommen authentisch wirkt. So ungefähr muss Chopin diese Werke selbst gespielt haben. Ohne Show, aus dem Innern heraus. Aber nicht nur gestalterisch überrascht der Preisträger des Warschauer Chopin-Wettbewerbs, er kann auch spieltechnisch vollauf überzeugen. Und es ist seine Kunst des Anschlags, die gewiss auch ihren Anteil an der bewegenden Wirkung des Zyklus hat.
ReF
Pizzicato Janvier 08
Supersonic
J.S. Bach: lnventionen & Partita; Janine Jansen, Violine, Maxim Rysanov, Viola, TorleifThedeen, Cello; 1 CD Decca 475 9968; 04 & 08/07 (79'09)
Es gibt nicht viele Bach-Aufnahmen, die beim Anhören solch eine jugendliche Frische und zugleich so viel künstlerische Reife verströmen, wie man sie hier in den Inventionen BWV 772 - 786, 787 - 801 und der Partita 1004 hören kann. Die zweistimmigen Inventionen BWV 772 - 786 werden von Violine und Bratsche, die dreistimmigen Inventionen BWV 787 -801 von Violine, Bratsche und Cello gespielt, während die Partita BWV 1004 für Solo-Violine konzipiert ist. Janine Jansen, aber auch ihren Partnern Maxim Rysanov, Bratsche und Torleif Thedeen, Cello, gelingt es immer, Bachs Musik frei von aller Kopflastigkeit zu halten, so dass sie unmittelbar auf den Hörer wirken kann. Die Musiker scheuen nicht, Virtuosität und Brillanz mit ins Spiel zu bringen, so dass die Werke ungemein frisch und lebendig erklingen. Das geht aber nur, weil sie auch die nötige Reife, das nötige Wissen um die Geheimnisse von Bachs Musik mitbringen. Was den Hörer aber vielleicht am meisten ansprechen wird, das ist die (scheinbare) Unkompliziertheit, mit der die Inventionen erklingen. Fast hat man den Eindruck, als sei Johann Sebastian Bach der spirituelle Vater des Jazz und der Improvisation. Neben den Inventionen gelingt Janine Jansen auch mit der Partita ein großer Wurf. Jansens Interpretation muss man schon heute zu den wirklich gelungen Bach-Aufnahmen zählen, eine Interpretation, die Bachs Musik fit für das 21. Jahrhundert macht. Was in diesem Sinne auch für die Inventionen zählt. Also nicht lange um den heißen Brei herumreden, sondern Janine Jansen Bach einfach in den CD-Player legen und sich in eine wundervolle Klangwelt entführen lassen.
Steff
Pizzicato Janvier 08
Supersonic
Christoph Columbus-Paraisos Perdidos; Montserrat Figueras, Hesperion XXI, La Capella Reial de Catalunya, Jordi Savall; 2 SACDs Alia Vox AVSA 9850 A+B; 5/06 (148'54)
Wie er es schon vor zwei Jahren mit Musik um das Thema Don Quichotte tat, hat Jordi Savall diesmal Christophorus Columbus als Zentralfigur für die Produktion 'Verlorene Paradiese' genommen. Für Savall ist das Programm offensichtlich eine Herzensangelegenheit, eine Art künstlerischer Wiedergutmachung dessen, was europäische Eroberer im Namen des Glaubens in Spanien und der Neuen Welt Amerika anrichteten. Musik aus der Alten und aus der Neuen Welt ist auf den beiden silberscheiben zu hören, neben Texten, die gelesen werden, Texten aus Logbucheinträgen oder autobiographischem MateriaL. So entsteht eine packende Dramaturgie, die weit über das rein Musikalische hinaus das Thema Columbus hinterfragt, Licht und Schattenseiten um das Thema Kolumbus darstellt, mit arabisch-andalusischer, jüdischer, christlicher und indianischer Musik aus jener Zeit, bewegend dargeboten von Jordi Savall. Montserrat Figueras und ihren Musikern. Bibliophil ist auch diesmal die Dokumentation: Die beiden SACDs befinden sich in einem 270 Seiten starken Buch im A5-Format mit den Texten, Erläuterungen und vielen Illustrationen. ReF
Pizzicato Janvier 08
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