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Excellentia
E. Toch: Tanz-Suite op. 30, Konzert für Cello und Kammerorchester op. 35; Christian Poltéra, Cello, Spectrum Concerts Berlin; 1 CD Naxos 8.559282; 05/06 (57'35)
Ernst Toch (1887-1964) ist einer jener Komponisten, die nicht nur vor den Nazis flüchten mussten, sondern deren Karriere durch den Krieg zerstört wurde. Erst unsere Zeit beginnt, ihn wieder zu entdecken, aber so richtig großes Ansehen genießt er immer noch nicht. Dabei sind allein die beiden Werke dieser CD von einer Qualität, dass man Toch wirklich nicht länger außer Acht lassen darf.
Die Werke zeigen darüber hinaus, was aus dem Wiener Komponisten hätte werden können, wäre ihm eine normale Entwicklung gegönnt gewesen. Das Schicksal wollte es anders, und dem entwurzelten Komponisten gelang es nicht, sich nach dem Krieg wieder zu etablieren.
Die Tanzsuite aus dem Jahre 1924 besteht aus sechs Sätzen. Der 'anstürmend und ziemlich rasch' zu spielende 'Rote Wirbeltanz' setzt das Level an Energie und Intensität der Musik gleich enorm hoch, enthält aber auch ein lyrisches und ahnungsvolles Mittelstück. Es folgt der schwer lastende Tanz des Grauens, danach ein etwas entspannteres Intermezzo, ehe der Tanz des Schweigens ein Bild der Angst entwirft. Ein weiteres Intermezzo wirkt in seiner Lebhaftigkeit ironisch, wenn nicht gar zynisch. Der geheimnisvolle Tanz des Erwachens beendet das atmosphärisch dichte Werk letztlich doch mit recht optimistischen Klängen.
Das vom legendären Emanuel Feuermann uraufgeführte und danach häufig gespielte Cellokonzert ist ein exquisites Werk, sehr rhythmisch und lyrisch dazu, besonders in dem expressiven Adagio. Christian Poltéra spielt es berückend schön und kantabel, ist aber auch in den schnelleren Passagen durch einen prallen und wunderbar schwungvollen Klang ein herausragender Solist. Das Ensemble Spectrum hat beide Werke sehr gut einstudiert und spielt sie technisch souverän und mit einem ansteckend leidenschaftlichen Engagement.
Alles in allem ist dies eine faszinierende CD, die man ganz gewiss nicht nur einmal hört, denn sie enthält eine derart reiche Musik voller Tiefe, dass der innere Speicher aufregender Musikerlebnisse immer wieder nach der Gefühlsintensität und den enorme Kontrasten zwischen Ruhe und Eruptionen von Tochs Werken verlangt.
RéF
Pizzicato Février 08
Supersonic
Bach: Das Wohltemperierte Clavier vol. 1; BWV 846-869; Préludes & Fugues I-XII BWV 846-857, Préludes & Fugues XIII-XXIV BWV 858-869; Richard Egarr, Harpsichord; 2 CD Harmonia Mundi 907431.32; 2007 (125’24)
Il y un peu plus d'un an, nous découvrîmes le claveciniste Richard Egarr dans les variations Goldberg, une production qui nous marqua profondément et durablement. Aujourd’hui, Richard Egarr nous revient avec le Clavier bien tempéré qu’il joue sur le même clavecin, une copie d’un Ruckers de 1638 réalisée en 1991 par Joel Katzman: Un instrument merveilleux qui convient admirablement pour la musique du grand Cantor. Comme pour les variations Goldberg, Egarr fait montre d’une aisance et d’une maîtrise absolues. Si le Clavier tempéré fait partie des exercices obligatoires de tous les pianistes, peu arrivent à donner à l'oeuvre véritablement une vie intéressante. Loin des devoirs scolaires, et à mille lieues des frasques romantiques des pianistes, Richard Egarr nous emmène sans détour au cœur de la musique de chambre de Bach. Au fil des plages qui s’écoulent, on a vraiment l’impression de pénétrer dans l’intimité de Bach, d’être son invité et de découvrir une part de son âme, loin des fastes des cours princières ou de la tribune de Saint Thomas. Avec Richard Egarr, la notion Hausmusik prend sa plus authentique signification. Le jeu d’Egarr nous emporte nullement en une salle de concert, mais bel et bien dans l’intimité d’une chambre d’appartement.
PiRath
Pizzicato Février 08
Supersonic
L. van Beethoven: Klaviersonaten op. 2/1-3; Maurizio Pollini; 1 CD Deutsche Grammophon 477 6594; 2007 (65’26)
Nach mehreren, wegen ihrer Zucht ziemlich zwiespältig aufgenommenen Einspielungen von Beethoven-Sonaten der mittleren und letzten Periode – hoch gelobt von den einen, kritisch beargwöhnt von andern –, stellt Maurizio Pollini nun die drei ersten 'Gehversuche' Beethovens in Sachen Klaviersonate vor, die Triade aus Opus 2, und erhellt damit sein Gesamtkonzept auf bewundernswerte Weise. Die Transparenz und Strenge, die seine bisherigen Interpretationen charakterisiert haben, finden sich auch hier wieder, aber der Zusammenhang ist ein anderer: Pollini nimmt das Trias der ersten Sonaten, die Beethoven seinem Lehrer Haydn widmete, ernst. Er spielt sie nicht als einfach und selbstverständlich, sondern macht deutlich, wie sehr der Komponist darin um Form und Gehalt gerungen hat. Er vollzieht dieses Ringen nach, und in dieser Hinsicht ist seine Annäherung nicht sehr verschieden von der von András Schiff, der vielleicht noch detaillierter artikuliert. Mit ihr aber kann die von Pollini noch am ehesten verglichen werden.
Das wird besonders deutlich in der ersten Sonate f-Moll. Das überaus klare, fein abgestimmte Spiel des italienischen Meisterpianisten macht das Düstere und Drängende dieser Musik auf höchst persönliche Weise einsichtig, und dieses Vorwärtstreiben wird nur unterbrochen in dem prachtvollen Adagio, das Pollini wahrhaft 'aussingt'. So erhält das abschließende, ungemein vehemente Prestissimo eine noch gedrängtere Düsternis. In schönem Gegensatz dazu lässt er die Sonate in A-Dur wie einen großen Gesang erblühen, mit als Höhepunkt dem Largo appassionato. Die dritte Sonate schließlich wird zur Synthese der beiden andern. Dank seines überaus konzentrierten, von jeder Emphase befreiten Spieles, das man paradoxerweise 'subjektiv-objektiv' nennen könnte, gelingt es Pollini perfekt, sowohl die Dichte der Strukturen als die Konzentration der Emotionen deutlich zu machen, das Schwanken zwischen Licht und Schatten, Klarheit und Düsternis, die in einem jungen Komponisten von gerade mal 25 Jahren tobten und der gerade dabei war, die Musik und die Musikgeschichte umzukrempeln.
GW
Pizzicato Février 08
Supersonic
W. Byrd: My Ladye Nevells Booke; Elizabeth Farr, Cembalo; 3 CDs Naxos 8.570139-41; 9/06 (224'51)
Es ist einigermaßen überraschend, dass dies erst die dritte vollständige Einspielung der berühmten Sammlung der Virginalwerke Byrds ist. Dafür legt die amerikanische Cembalistin einen Standard vor, mit dem sie gleich in die Referenzklasse vorrückt.
Im Jahr 1592 an die Gattin von Sir Henry Nevell of Billingbere übereignet, umfasst diese Sammlung aus 42 Stücken unterschiedlichster Gattungen das gesamte formale und inhaltliche Spektrum von Byrds beeindruckend kreativer Feder, von melancholisch-düsterem bis hin zu vertonten Schlachtszenen und virtuosen Glanzstücken. Anders, als vom Komponisten vorgesehen, hat Farr die Sammlung nicht auf Virginal, sondern auf vier Cembali eingespielt, deren klangliche Qualitäten sie effektreich mit den Eigenheiten der Stücke zu kombinieren weiß. Bei einer Sammlung von derartigen Ausmaßen, einer Spielzeit von dreieinhalb Stunden, ist man für Abwechslungen dieser Art höchst dankbar. Auch wenn der Komponist wahrscheinlich nie an einen Gesamtvortrag gedacht hat.
Im Vergleich mit vielgerühmten der Einspielung des gesamten Cembalowerks Byrds durch Davitt Moroney, in dem natürlich auch diese Sammlung enthalten ist, setzt Elizabeth Farr mehr auf eine empfindsame Darstellung der Werke, was sich in höherer Abwechslung und im Effekt besserer Durchhörbarkeit bezahlt macht. Stücke, die in anderen Einspielungen leider sehr elisabethanisch-dezent wirken, glänzen hier zum Teil mit einem Leben, das man in ihnen kaum vermutet hätte. Ob diese 'romantische' Annäherung dem Werk letztendlich gerecht wird, sei dahingestellt. Als ohnehin dankenswerte Gesamteinspielung vermittelt dieser Zugang jedoch eine ganz eigene Werbebotschaft für dieses unerwartet einladende, großartige Repertoire.
ejh
Pizzicato Février 08
Supersonic
F. Chopin: Préludes op. 28, Sonate Nr. 2, Etudes op. 25, Marche funèbre; Grigory Sokolov, Klavier; 2 CDs Naïve OP30456; Live 1990, 192,1985 (118')
Grigory Sokolov ist nicht erst rezent ein großartiger Pianist, der bei seinen Klavierabenden eins zu werden scheint mit seinem Instrument, er war es auch schon in früheren Jahren. Das zeigen die Livemitschnitte dieses Albums. Sokolov bearbeitet jeden Ton, ob zart oder kraftvoll. Diese Bedeutung, die er dem Klang seines Spiels zumisst, kommt aus einer seltenen Konzentration und lässt seine Interpretationen in einem ganz besonderen Maße intensiv werden. Das gibt der Musik eine gedankliche Tiefe, die bei Chopin über das hinaus geht, was man gewöhnt ist. Schwermut wird hier genau so betont, wie Virtuosität gerne den Charakter des Auflehnens, der inneren Wut bekommt. Sokolov zeichnet so seinen ganz eigenen Chopin, unvergleichlich eigentlich, und in hohem Maß faszinierend. Man wagt nicht einmal zu denken, dieser Chopin sei vielleicht etwas einseitig, so kräftig ist der musikalische Sog, in den man gerät. Chopin verblasst da eigentlich von dem 'Komponisten' Sokolov, der die Stücke in einer Form von Neukomposition vor dem Publikum entstehen lässt. Dabei hat er sie jahrelang geübt, gespielt und doch sind seine Farben immer neu und unverblasst, die Kontraste aufregend, die Rubati genial.
RéF
Pizzicato Février 08
Supersonic
O. Messiaen: Visions de l’Amen für 2 Klaviere; L. van Beethoven: Große Fuge für Klavier zu vier Händen, op. 134; Duo d’Accord (Lucia Huang und Sebastian Euler); 1 CD Oehms Classics OC 704; 2007 (63’49)
Wie schockierend Beethovens Große Fuge auf seine Zeitgenossen wirkte, geht wohl am besten aus der damaligen Kritik hervor: "Den Sinn des fugierten Finale wagt Referent nicht zu deuten: für ihn war es unverständlich, chinesisch." Aber genauso modern und schier unfassbar erscheint sie auch heute noch, vielleicht gerade in der Bearbeitung für Klavier zu vier Händen, die aus der Feder Beethovens selbst stammt. Ursprünglich war die Fuge für das Streichquartett B-Dur op. 130 komponiert, doch Artaria, der Verleger, schlug vor, sie einzeln als Opus 133 zu veröffentlichen und stattdessen einen anderen Finalsatz zu komponieren, was Beethoven denn auch tat, genauso wie er die vierhändige Fassung für Klavier schrieb, die als Opus 134 herauskam.
Ihr setzt das Duo d’Accord die 1934 komponierten 'Visions de l'Amen' von Olivier Messiaen gegenüber, die zu den wichtigsten Klavierwerken des 20. Jahrhunderts gezählt werden müssen. Zwei musikalische Universen demnach: Das ist schon eine gewaltige Herausforderung für zwei Interpreten. Nun, Lucia Huang und Sebastian Euler lösen die Doppelaufgabe virtuos. Ihre Virtuosität ist jedoch nicht Selbstzweck, sondern Voraussetzung, damit die ungeheuere Modernität Beethovens in all ihren Dimensionen herausgestellt werden kann und die subtilen Nuancen und Klangfarben Messiaens voll aufblühen. Eine Bestleistung!
GW
Pizzicato Février 08
Supersonic
G. Du Fay: Mille Bonjours!; Diabolus in Musica, Antoine Guerber, guiterne et direction; 1 CD Alpha 116; 10/2006 (75’57)
Si le corpus sacré représente l’œuvre la plus connue de Du Fay (1397?-1474), son œuvre profane est loin d’être dépourvue d’intérêt et de charme: Tel est l’argument de ce recueil merveilleux qui nous présente un riche florilège d’un des compositeurs les plus importants du XVI siècle. Profondément ancrée dans la tradition médiévale, la musique de Du Fay se dévoile ici, plage après plage, tout en nous faisant (re)découvrir le charme tout particulier des sonorités douces et feutrées, des instruments médiévaux comme celles du clavicytherium ou encore les sonorités plus acidulées des vièles à archet. Quel plaisir aussi, de partir à la découverte de ces monodies accompagnées qui, venues de la nuit des temps, n’ont strictement rien perdu de leur beauté et de leur vitalité. Quel raffinement dans ces méandres mélodiques, discrètement soutenues par des harmonies savantes où, de temps à autre, se glisse si subrepticement une cadence à doubles sensibles. Antoine Guerber, à la tête de son Diabolus in Musica, se révèle être l’un des meilleurs spécialistes de ce répertoire qu’il nous fait découvrir avec une justesse absolue. Assurément une production qui devrait inciter le mélomane curieux à quitter les chemins balisés de la musique classique et baroque pour s’aventurer vers des horizons plus lointains mais nullement inaccessibles: L’auditeur sera largement récompensé de son détour.
PiRath
Pizzicato Février 08
Supersonic
A. Ferrabosco & W. Byrd: Consort Music; S. Hamilton, soprano, J. Bowman, contre-ténor, Ricercar Consort, Philippe Pierlot; 2 CDs Ricercar RIC 256; 09/98-99 (132’12)
Le Ricercar Consort s’est imposé depuis de nombreuses années comme l’une des meilleures formations de consort de violes et leurs concerts, tout comme leurs CD, sont toujours de grands moments musicaux. Il en va de même pour cette production discographique qui, sans être une production nouvelle, - les enregistrements datent de 1998 et 1999 - est une excellente réédition. Tout d’abord, il convient de signaler que le Ricercar Consort s’est assuré le concours de James Bowman et de Susan Hamilton. Si le nom de James Bowman est mondialement connu, nous devons avouer que nous avons découvert avec une très grande joie celui de Susan Hamilton. Face au rythme effréné de la vie du 21e siècle, la musique de consort offre un véritable moment de paix intérieure, propice à l’introspection personnelle. Avec ces deux CD, le Ricercar Consort nous livre l’essence même de la musique insulaire des 16e et 17e siècles, faite de passion, bien sûr, mais également de douceur, de contemplation et de rêve. Si le Ricercar Consort se compose de violistes exceptionnels, il faut bien encore signaler la présence de la regrettée Sophie Watillon, qu’une maladie a emporté, quelques mois avant son quarantième anniversaire, en août 2005.
PiRath
Pizzicato Février 08
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