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Supersonic
G. Mahler: Symphonie Nr. 1; Bamberger Symphoniker, Jonathan Nott; 1 SACD Tudor; 2005/06 (56'25)
Mit einer phänomenalen Transparenz verzaubert Jonathan Nott den ersten Satz aus Mahlers Erster Symphonie mit purer Klangmalerei. Er nimmt uns beim Ohr und lenkt unser Gehör auf das Frühlingserwachen. Langsam. Schleppend. So wie es geschrieben steht. Man sieht förmlich, wie zu kecken Vogelrufen erste Blumenspitzen aus dem Boden drängen, wie mit knisternder Spannung die geballte Kraft der Natur die Welt verwandelt. "Frühling und kein Ende", wie Mahler im ersten Elan selber geschrieben hatte. Das Scherzo kommt immer noch hundertprozentig durchhörbar als rustikaler Tanz daher, wobei die Tanzbewegung deutlicher, aber auch differenzierter formuliert wird als in anderen Interpretationen. Die Ironie gerät dabei etwas ins Abseits, aber nicht wie bei Muti (Philadelphia) oder Solti (Chicago), weil das orchestrale Polish jedweden schrägen Klang verbietet, sondern weil die "vollen Segel" (Mahler) das Volkstümliche, das Bäuerliche-Gemütvolle in den Vordergrund stellen. Ironie, Groteske und Trunkenheit der 'Commedia humana' finden sich aber so reichlich im hinreißend köstlichen dritten Satz, dass die Symphonie davon mehr als genug hat. Was Nott hier an Klangsuggestion vermittelt, gehört zu den Spitzenleistungen in Sachen Erste Mahler. Im Finale kann das Orchester dann so richtig mit klanglicher Fulminanz aufdrehen, um gleich wieder zusammenzubrechen in einem ergreifenden Ausbruch von Verzweiflung, angereichert mit gellenden Angstschreien. Auch hier ist das Orchestrale nie Selbstzweck, nie Show, nie pure Virtuosität, nie leidenschaftliche Dramatik, sondern tief gefühlte Musik. Es ist, als wolle Nott aus diesem ersten symphonischen Finale des Komponisten das musikalische Embryo aller noch anstehenden Mahlerschen Konflikte machen.
Jonathan Notts Interpretation zeugt von einer außerordentlichen Werkkenntnis, von einem profunden Mahlerverständnis und muss zu den ganz großen und sicher spannungsvollsten Aufnahmen dieser Symphonie gerechnet werden. RéF
Pizzicato Juin 08
Supersonic
A. Roussel: Symphonie Nr. 2, Pour une Fête de Printemps, Suite en fa; Royal Scottish National Orchestra, Stéphane Denève; 1 CD Naxos 8.570529; 6/07 (68'43)
Die geheimnis- und spannungsvoll düstere 2. Symphonie von Albert Roussel könnte kaum einen inspirierteren Dirigenten haben als Stéphane Denève: die schwer lastenden Nebelschwaden des Beginns lassen einen frösteln, die nirgendwo hinsteuernden aktiveren Abläufe erinnern an einen maschinellen Mechanismus, der durchaus üppig farbiges Material 'en masse' produziert, das letztlich für die innere Stimmung wirkungslos bleibt, wie der von weiteren Nebenschwaden durchzogene und im Nebel endende 3. Satz zeigt. Denève bringt die Ausweglosigkeit dieser Musik packend zum Ausdruck.
Wie eine Verlängerung dieser Stimmungen hört sich der Beginn von 'Pour une Fête de printemps' an. Winterliche Kühle breitet sich noch aus, ehe ein quirliges Leben erwacht, das später wieder in nebligen Impressionen verschwindet. Die drei Tänze (Prélude, Sarabande und Gigue) der 'Suite en fa' beschließen kontrastreich das unter einem wirklich hoch inspirierten Dirigenten niveauvoll dargebotene Programm. RéF
Pizzicato Juin 08
Supersonic
J. S. Bach: Partitas 2, 3 & 4; Murray Perahia, Klavier; 1 CD Sony Classical 88697282662; 06 & 11/07 (71’49)
Murray Perahia gehört eigentlich zu jenen wenigen Künstlern, die über alle Kritik erhaben sind. In ihrem Spiel verbinden sich Gestaltungskunst, Reife und Integrität zu einem einmaligen Hörerlebnis. Wohl kann man Perahias Bach-CD wieder und wieder hören, der Eindruck des Einmaligen wird sich aber jedes mal wieder aufs Neue einstellen. Aber aufgepasst! Perahias Bach ist alles andere als spektakulär, sogenanntes Neues oder Aufregendes findet man nicht. Es sind vielmehr das Verständnis und das Wissen, dass weniger oft mehr ist, die Überlegenheit und Selbstsicherheit, aber auch die Reife und die Bescheidenheit, die Perahias Bach auszeichnen. Also ein Grandseigneur am Klavier? Auch wieder nicht, denn Murray Perahias Interpretationen sind trotz aller Abgeklärtheit quicklebendig und jugendlich frisch, also keine wirklich erhabenen Bach-Zelebrationen. In Murray Perahias Spiel spiegelt sich ganz einfach das ganze Universum der Bachschen Musik wieder, und das ganz selbstverständlich, unverblümt und wunderschön. Steff
Pizzicato Juin 08
Supersonic
E. Toch: Impromptus for Solo Cello, Sonata for Violin and Piano, Piano Quintet, Burlesken for Solo Piano; Spectrum Concerts (Daniel Blumenthal, Klavier, Annette von Hehn, Violine, Julia-Maria Kretz, Violine, Hartmut Rohde, Viola, Frank Dodge, Cello); 1 CD Naxos 8.559324; 5+12/07 (68'57)
Für seine erste Toch-CD erhielt Spectrum Concerts den Excellentia Award unseres Dezember-Heftes 2007. Diese zweite CD ist genau so hochkarätig wie jene erste. Sie beginnt mit der extrem dramatischen, aufgeputscht gespielten 2. Sonate für Violine und Klavier. Danach zeigt Daniel Blumenthal in aufregenden Interpretationen, welchen Teufel Toch geritten hat, als er die Burlesken für Klavier schrieb. Die drei Cello-Impromptus entstammen ganz anderen Stimmungen: Sie sind kantabel, graziös, mit gelegentlichen dunkleren Tönen im Adagio, generell aber freundlich und lyrisch. Sie bereiten besten auf den ersten Satz des Klavierquintetts vor, das mit einem Lyrical Part beginnt, ehe es im Whimsical Part tatsächlich recht kapriziös und schalkhaft wird, um dann einem kontemplativen Adagio Platz zu machen, das dem dramatisch-vehementen Finalsatz vorausgeht.
Eine weitere Wiedergutmachung an Ernst Toch, auf sehr hohem Niveau! RéF
Pizzicato Juin 08
Supersonic - A. Vivaldi: Sonate da camera a tre, due violini et violone o cembalo (op.1); Enrico Gatti & Ensemble Aurora; 2 CD Glossa Gcd 921203; 10/06 (99’19)
Si 'il Prete rosso' est bien connu pour ses Quattro Stagioni, il l’est nettement moins pour son œuvre de chambre qui se révèle cependant être un véritable bijou. Lorsque après une grande journée de travail, l’on glisse le premier CD dans le lecteur et que l’on s’installe confortablement dans son canapé, l’on assiste non seulement à une écoute des plus agréables mais à une véritable revigoration. S’évanouissent tous les soucis et tracas pour faire place à une renaissance des forces de l’esprit et du corps. C’est du plus beau Vivaldi et si certaines mélodies nous font immanquablement penser aux célébrissimes Quatre Saisons, c’est parce que le compositeur expérimente, cherche de nouvelles voies et fait déjà des découvertes qui lui serviront plus tard.
L’interprétation d’Enrico Gatti & l’Ensemble Aurora est absolument sans faille. Pleine de verve, débordante d’énergie, celle-ci nous captive absolument dès le premier accord et nous entraîne dans un tourbillon festoyant de la musique italienne. La prise de son est sublime et nous restitue un récital de musique de chambre extrêmement émouvant. L’espace des instruments est bien défini et leur balance parfaite. Ce double CD est certainement du tout grand art discographique. PiRath
Pizzicato juin 08
Supersonic - Estampies & Danses Royales - Le Manuscrit du Roi ca.1270-1320; Hesperion XXI, Jordi Savall; 1 CD Alia Vox 9857; 09/07 (72’12)
La curiosité éclairée de Jordi Savall le pousse de plus en plus à sortir des chemins baroques pour se balader, au gré des découvertes, sur les sentiers ethniques de la musique populairement savante ou, comme ici, dans des contrées de plus en plus reculées. Voici qu’il nous livre, précieusement conservé à la Bibliothèque nationale de France, un patrimoine tout à fait étonnant: Estampies & Danses Royales, notées par une main demeurée anonyme, probablement vers la fin du 13e siècle et en tous les cas au plus tard vers 1310. Musique extrêmement vivante qui, malgré son âge, nous touche et nous émerveille encore, elle nous est livrée ici avec une émotivité surprenante, et nous montre clairement, si besoin en était encore, combien 'notre' musique médiévale était liée à l’art et à la culture méditerranéenne et mozarabe, cultures sensibles qui parlent encore de nos jours un langage similaire tout en gardant vivant cet héritage ancestral. PiRath
Pizzicato Juin 08
Supersonic
R. Schumann: Das Paradies und die Peri, op. 50; Dorothea Röschmann, Malin Hartelius, Rebecca Martin, Bernarda Fink, Werner Güra, Christian Gerhaher, Christoph Strehl; Symphonieorchester und Chor des Bayerischen Rundfunks, Nikolaus Harnoncourt; 2 CDs RCA 88697271552; 10/05 (101'06)
Nikolaus Harnoncourt hat sich in Schumanns weltliches Oratorium 'Das Paradies und die Peri' verliebt: Es ist in den letzten Jahren eines der wichtigsten Werke in seinem Repertoire geworden. Die 1843 in Leipzig uraufgeführte Komposition, die Schumann selbst für sein 'größtes Werk' hielt, beruht auf einer altpersischen Sage und dem daraus entstandenen Epos 'Lalla Rookh' des irischen Dichters Thomas Moore. Sie erzählt in drei Etappen die Erlösungsgeschichte: Die Peri, ein gefallener, ausgestoßener Engel, der wegen eines Fehltrittes aus der himmlischen Gesellschaft verstoßen wurde, muss des Himmels liebste Gabe darbringen, um wieder Einlass ins Paradies zu erhalten. Das Blut eines mutigen jungen Mannes, der bei einem Tyrannenmord scheitert, genügt nicht. Auch der letzte Seufzer einer Jungfrau, die gemeinsam mit ihrem an der Pest erkrankten Geliebten in den Tod geht, taugt nicht als Gabe. Erst die Tränen der Reue, die ein Schwerverbrecher beim Anblick eines kleinen, unschuldigen Kindes vergießt, öffnen die Pforten zum Paradies.
Robert Schumann sagte, er hätte dieses Oratorium "nicht für den Betsaal – sondern für heitere Menschen" geschaffen. Nikolaus Harnoncourt scheint sich das zu Herzen genommen zu haben. Mit viel Gespür für das naiv-poetische Sujet sucht er nicht das Effektvolle, sondern die lyrische Süße und den strömenden Melos. Mit sensibler Innigkeit und viel innerer Ruhe, aber auch mit klanglicher Pracht lassen unter seiner inspirierenden Leitung das Symphonieorchester und der Chor des Bayerischen Rundfunks sowie ein ideales Solistenensemble das Oratorium als ergreifende Erzählung von größer Schönheit erstehen. Eine Sternstunde! RéF
Pizzicato Juin 08
Supersonic
Edition Géza Anda Vol. 1: Werke von W. A. Mozart; Géza Anda, Klavier, Camerata Academica Salzburg, Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Constantin Silvestri, Joseph Keilberth, Géza Anda; 2 CDs Audite 23.407; 1956 -1969 (134´25)
Edition Géza Anda Vol. 4: Werke von B. Bartok; Géza Anda, Georg Solti, Klavier, Paul Blécher, Klarinette, Tibor Varga, Violine, Karl Peinkopfer, Ludwig Porth, Schlagzeug; Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester, Michael Gielen, Ferenc Fricsay; 2 CDs Audite 23.410; 1952-1957 (105’35)
Da es nicht sonderlich viele Aufnahmen des genialen ungarischen Pianisten Géza Anda gibt, besitzt diese Hommage für den Sammler einen unschätzbaren Wert. Auf 8 CDs erleben wir Anda als einen überragenden Gestalter und Interpreten. Wie wandelbar er sein konnte, wie flexibel und wie natürlich er seine Interpretationen seinen Partnern anpassen konnte, das zeigt die CD mit den Mozart-Konzerten auf eine wundervolle Weise. Darüber hinaus gehört die dynamische, in allen Ecken funkelnde Aufnahme des Klavierkonzerts Nr. 22 KV 482 mit Anda und Constantin Silvestri zu den schönsten des Katalogs. Bei Keilberth (Konzert Nr. 21 KV 467) optiert Anda für einen ganz anderen, romantischeren und runderen Klang, und bei den beiden Konzerten Nr. 20 KV 466 und 23 KV 488 dirigiert Anda selbst.
Die vierte Doppel-CD ist Werken von Bela Bartok gewidmet und ist die vielleicht aufregendste Publikation der Serie. Anda spielt hier die beiden Klavierkonzerte, Nr. 1 unter der Leitung von Michael Gielen, Nr. 2 unter Ferenc Fricsay, mit dem er ja einige Jahre später alle drei Konzerte für Deutsche Grammophon aufgenommen hat. Andas frische und direkte Annäherung dieser früheren Aufnahmen zeigt den Pianisten weniger auf der Suche nach Wahrheiten als in der Auseinandersetzung mit Klang und Struktur. Somit wirken beide Konzerte zugänglicher, zumal sowohl der junge Gielen wie auch Fricsay mit der gleichen Stringenz vorgehen wie der Solist. Georg Solti ist Andas Partner in der Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug, ein rares historisches Dokument und darüber hinaus in einer dynamischen und vollblutigen Interpretation. Sehr schön auch die Klaviersuite op. 14, die Anda als einen genuinen Bartok-Interpreten ausweist, sowie die weniger bekannten 'Kontraste für Klarinette, Violine und Klavier' mit u.a. dem hervorragenden Tibor Varga. Steff
Pizzicato Juin 08
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