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Excellentia
G. Mahler: Symphonie Nr. 4; Christine Schäfer, Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, Bernard Haitink; 1 SACD RCO Live 07003; 11/06 (55'14)
Mit dem Charme des altersweisen Märchenonkels dirigiert Bernard Haitink Mahlers Vierte Symphonie. Die Tempi sind moderat, der transparente Klang wird nicht geschärft, sondern bleibt sogar eher weich und in diesem gemütvoll-kuscheligen Umfeld blüht die symphonische Humoreske auf wie nie zuvor: Eine absolut köstliche, hinreißende Schilderung kindlicher wie himmlischer Freuden, frappierend naiv, sinnlich strahlend, eine Welt, in der sogar die Kobolde mit ihren Fratzen die ihnen innewohnende Herzensgüte voll zum Ausdruck bringen.
Dem Wiener Kritiker Felix Salten nach war Mahler heiter, spielerisch, sanft und von einer "rührenden Kindlichkeit der Seele", die ihm aus den hellen Augen strahlte. Diese rührende Kindlichkeit spricht hier aus jeder Note, selbst wenn dramatische Akzente nicht fehlen, aber auch nicht überbetont werden.
Christine Schäfer bringt diesen behaglichen Ausdruck, den Mahler forderte, ebenfalls mit. Sie färbt die Stimme gewiss nicht von ungefähr so ein, als singe ein Wiener Sängerknabe, mit genau dem typischen Pathos dieser Buben. Sie ist die perfekte "Singstimme mit kindlich heiterem Ausdruck, durchaus ohne Parodie", wie sie sich Mahler vorgestellt hat. Und so unauffällig wie sie begonnen hat, endet die Musik, ein 55 Minuten andauerndes Märchen ist zu Ende, das Sandmännchen verstreut seine letzten Körner... Gute Nacht! RéF
Pizzicato Octobre 08
Supersonic
W. A. Mozart: Concertos pour hautbois et orchestre K. 312 et K. 314, Rondo K. 373, Transcriptions de la Flûte Enchantée et de Don Giovanni; François Leleux, hautbois, Camerata Salzburg; 1 CD Sony Classical 88697339432; 2008 (70'33)
Le lecteur n'imagine pas l'ennui que peut procurer l'écoute de disques si la musique y enregistrée, sans même être vraiment mauvaise, ne réussit à vous saisir. Il ne mesure pas non plus quel bonheur peut alors procurer une production qui vous touche, qui vous parle, une production comme celle-ci, avec un soliste absolument remarquable dans un programme ravissant.
Le hautboïste français François Leleux produit non seulement un son d'une très grande beauté, avec un moelleux et une souplesse qui flattent l'oreille, il surprend aussi par la fluidité de sa virtuosité épatante. Avec les excellents musiciens de la Camerata Salzburg, il enivre le magnifique Concerto pour hautbois K. 313 ainsi que le Concerto K. 314, une œuvre que l'on connaît surtout dans sa version pour flûte, postérieure à celle pour hautbois. Quelques transcriptions de mélodies d'opéras viennent enrichir ce beau programme qui procure au mélomane une bonne heure de musique de toute première classe. RéF
Pizzicato Octobre 08
Supersonic
A. Vivaldi: Concertos pour flûte à bec RV 443, 441, 445, 442, 444, 108, Sonate a due RV 86; Cappella Academica Frankfurt, Michael Schneider, flûte à bec & direction; 1 CD cpo 777-304-2; 01/07 (66’39)
D’emblée, ce CD nous séduit par sa belle image sonore captée et restituée sans macule qui nous transporte en un clin d’œil dans l’univers féerique et ensoleillé de la Sérénissime vivaldienne. Michael Schneider, flûtiste exceptionnel, s’acquitte avec bravoure et aisance de toutes les difficultés techniques dont Vivaldi, grand violoniste, a truffé cette œuvre et qui sont pourtant bien davantage de l’apanage des violonistes que des flûtistes. La Capella Academica Frankfurt est, quant à elle, un partenaire idéal qui accompagne et soutient Michael Schneider avec la verve et la maîtrise requise. PiRath
Pizzicato Octobre 08
Supersonic
S. Rachmaninov: Werke für Klavier; Kateryna Titova, Klavier; 1 CD Sony Classical 88697060052; 07 & 09/07 (54’06)
Die Pianistin Kateryna Titova schaut nicht nur gut aus, sie spielt auch hervorragend und weiß mit einem intelligent zusammengestellten Rachmaninov-Programm zu begeistern. Selbstverständlich bieten die aufgewählten Werke alles, was man als Interpret braucht, um sein Können auf verschiedenen Ebenen zu beweisen. Dies tut Katerina Titova mit Leichtigkeit: Ihr sicherer Anschlag und ihr zielstrebiges Spiel sind ebenso zu loben wie die frische Virtuosität und der fast freche Umgang mit den Noten. Wenn auch ein wenig der 'Hoppla, jetzt komm’ ich'-Charakter mitschwingt, so schadet das Rachmaninovs Musik in keinem Moment, im Gegenteil, der frische und quasi unbekümmerte Zugang zu den Stücken besitzt einen ansteckenden Charme. Das ist ein Rachmaninov der Gegenwart! Solche Interpretationen von solch talentierten jungen Musikern gespielt, sind gewiss auch ideale Wege, um eine junge Hörerschaft für die klassische Musik zu gewinnen. Mit ihrer leider etwas zu kurzgeratenen CD räumt Kateryna Titova mit dem leidigen Vorurteil auf, klassische Musik sei nur etwas für langweilige Grauhaarige. Bei Titovas Rachmaninovs weht ein neuer Wind, und der wird so manches Toupet einfach wegblasen. Steff
Pizzicato Octobre 08
Supersonic
W.A. Mozart: Klaviersonate KV 333, Rondo KV 485; Liszt/Schubert: Soirées de Vienne (Valse-Caprice Nr. 6); R. Schumann: Kinderszenen op. 15; F. Chopin: Mazurka op. 33/4, Polonaise N. 6; F. Schubert: Moment musical D780/3; M. Moszkowski: Etincelles op. 36/6; Vladimir Horowitz, Klavier; 1 CD Deutsche Grammophon 4777558; Live 6/87 (73'37)
Jede Horowitz-Aufnahme war ein musikalisches Ereignis. Und wenn jetzt, fast 20 Jahre nach des Meisters Tod, ein Rundfunk-Livemitschnitt aus Hamburg erstmals auf einem Tonträger veröffentlicht wird, dann ist auch das wieder ein Ereignis. Man kann sich an dem nuancenreichen, spannungsvoll verspielten Spiel nicht satt hören. Seinem Spätstil entsprechend spielt Horowitz Mozart, Chopin, Schumann und Liszt, kammermusikalisch, mit unforciertem, schönem Ton, mit durchgefeilter Klanglichkeit, eher intimistisch als brillant. Kantabilität und Gefühlsausdruck bestimmen die einzelnen Interpretationen gemäß dem Hausrezept von Horowitz: "Das Publikum reagiert nicht auf gedankliche Konzepte, sondern nur auf die Übermittlung von Gefühlen." Aber es gibt da auch noch andere Gefühlsmomente, die faszinieren, die Verschmitztheit und der augenzwinkernde Humor des Pianisten etwa, die die Schumannschen Kinderszenen so reizvoll machen, oder die Horowitz plötzlich selber mitreißende Sonorität seiner Chopin-Polonaise.
Eine Klaviersternstunde, die sich kein Musikliebhaber entgehen lassen sollte. RéF
Pizzicato Octobre 08
Supersonic
J. Brahms: Die 3 Streichquartette; Auryn Quartet; 2 CDs Tacet 155; 2007 (104'16)
Die drei Streichquartette von Johannes Brahms gehören auf den Olymp der Kammermusik. Das Auryn Quartett begibt sich sehr wohl dorthin, verharrt aber nicht in pathetischer Ehrfurcht, sondern bohrt ganz tief in den Felsen, um die tieferen Schichten der Musik freizulegen. Schließlich hat Brahms lange an den Werken gearbeitet und das, was er so eingebracht hat, muss man erst einmal ergründen. Dabei ist der Auryn-Brahms weniger drängend als jener von anderen Quartetten, dafür hören wir aber mehr Musik. Sie ist transparent schlank und so kunstvoll gespielt wie Brahms sie geschrieben hat. Wenn Sie den Unterschied zwischen 'beherzt' und 'zupackend' nachvollziehen können, wissen sie was ich meine, wenn ich sage, dass dieser Brahms beherzt klingt. Temperamentvoll ganz sicher, voll und rund, mit einer grandiosen Farbenpracht, aber nie wirklich aufgedreht. Dieser Brahms zieht seine Sinnlichkeit aus dem Spiel von Spannung und Entspannung. Eine mustergültige Einspielung, musikalisch und auch aufnahmetechnisch! RéF
Pizzicato Octobre 08
Supersonic
S. Prokofiev: Violinsonate Nr. 1, f-Moll, op. 80; Violinsonate Nr. 2, D-Dur, op. 94b; Marsch aus Die Liebe zu den drei Orangen; Die Maske aus Romeo und Julia; Walzer aus: Aschenputtel; Erik Schumann, Violine, Henri Sigfridsson, Klavier; 1 CD Cavi / Arc Verona 8553122; 2008 (64’48)
Schon die ersten Noten, die der Pianist Henri Sigfridsson mit sehr viel Empfindung und Intensität anstimmt, lassen aufhorchen: Sie bereiten den Einstieg des Geigers Erik Schumann großartig vor, ein Einstieg, der dann etwas zögernd zu sein scheint, doch dieser Eindruck stimmt nicht: So wird nur der dramatische Aufbau besonders gekonnt vorbereitet.
Auch wenn Erik Schumann danach einige der starken Spannungsbögen, vor allem in den Andante-Sätzen nicht ganz durchhält, so verraten seine Energie, seine Brillanz, seine Virtuosität, vor allem aber auch sein Sensibilität ein herausragendes Talent (cf. Allegro brusco der 1. Sonate).
Henri Sigfridsson ist ihm ein wirklicher Partner. Er drängt sich nicht auf, aber er weiß, wie er spielen muss, damit die Violine bestens zur Geltung kommt. Zugleich ist er es jedoch auch, der die Akzente festlegt, durch die die Musik vorwärts kommt.
Die hochdramatische Sonate Nr. 1 f-Moll op. 80, wird hier zu einem Werk, das Ausdruck von Prokofievs bitterem Weltbild während der Tragödie des Krieges ist. Ihm setzen die beiden Musiker die weit unbeschwertere D-Dur-Sonate, op. 94b (manchmal auch als op. 94a bezeichnet), eine von David Oistrach inspirierte und mit ihm gemeinsam verwirklichte Transkription der Flötensonate op. 94, fast als Kontrast gegenüber und bringen ihre feinen Melodien prächtig zur Geltung. Der Finalsatz, Allegro con brio, wird effektiv mit Brio gespielt und allen technischen Anforderungen gerecht. Er führt optimal zu den Zugaben in Transkriptionen von Jascha Heifetz und Michail Fichtenholz: dem bekannten Marsch aus 'Die Liebe zu den drei Orangen'; dem 'Maske' betitelten Tanzsatz aus 'Romeo und Julia' und dem prächtigen Walzer aus 'Aschenputtel', der das Verständnis der beiden Interpreten für den Geist großer russischer Musik deutlich macht und ein instrumentales Feuerwerk glanzvoll abschließt. GW
Pizzicato Octobre 08
Supersonic
W.A. Mozart: Komplette Lieder; Ruth Ziesak (Sopran), Lothar Odinius (Tenor), Ulrich Eisenlohr (Klavier), Ariane Lorch (Mandoline); 2 CDs Naxos 8.557900-01; 2006/2007 (96'47)
Im Juni hatten wir an dieser Stelle von einer Aufnahme mit Mozart-Liedern geschwärmt: Werner Güra war der Interpret, und brachte eine Anzahl von Liedern als 'potentielle Opernarien' zu Gehör. Ruth Ziesak und Lothar Odinius bleiben da schon eher im Rahmen des Kunstliedes, aber das ist ja auch kein Fehler, denn sie warten hier mit einer sehr niveauvollen Gesamtaufnahme auf.
Die Vorzüge dieser Produktion sind erheblich: Da ist gleich die Feststellung nötig, dass hier tatsächlich eine Gesamtaufnahme der Mozart-Lieder angeboten wird. Dann haben wir es vom technischen Standpunkt mit einer besonders sorgfältigen Einspielung zu tun, in der die Balance zwischen Sänger und Klavier exzellent ist. Doch es sind vor allem die Interpretationen, die uns zufrieden stellen, und das sowohl in den einfacheren, volksliedhaften Liedern als in jenen Stücken, die dramatischer und opernhafter sind.
Ruth Ziesak und Lothar Odinius wissen da genau zu unterscheiden und sie finden immer den richtigen Ton und den passenden Ausdruck. Sie singen beide mit einer klaren und unpathetischen Stimme, textverständlich und zutiefst musikalisch.
Ihr Begleiter Ulrich Eisenlohr nimmt seine Rolle sehr ernst und gestaltet kongenial mit. So kommen viele Aspekte zutage, die sonst gerne untergehen.
Das angenehme, fein leuchtende Timbre von Lothar Odinius und der klare, bestens artikulierende Sopran von Ruth Ziesak sorgen, bei aller Verschiedenheit der Lieder, für inneren Zusammenhalt und es gelingt ihnen daher der wohl beste Zyklus, der gegenwärtig verfügbar ist. RéF
Pizzicato Octobre 08
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